Fermentiertes Gemüse – besser als Probiotika?

Probiotika erweitert unsere Genetik um bis zu 900 %. Erfahre hier, warum fermentiertes Gemüse dir die sinnvollste Erweiterung an Probiotika gibt.
Sep 22

Viele unserer Gene bleiben ungenutzt, weil sie in unserer Umgebung gerade nicht benötigt werden. So greifen Sie und ich gerade jeweils auf etwa nur 2 % unserer DNA zu. Das ist ein Fall von: Wir nutzen unseren Werkzeugkasten nicht. Manchmal fehlen uns jedoch auch Gene im Werkzeugkasten.

Wir können kein UV-Licht sehen, weil entsprechende Rezeptoren nicht hergestellt werden, wir können nicht faseriges Gemüse verdauen, weil uns Gene fehlen, die Cellulose-spaltende Enzyme codieren usw.

Trotzdem haben wir Fähigkeiten, die nicht in unserer DNA angelegt sind.

Wie geht das? Wir nutzen DNA, die Symbionten, andere Lebewesen haben und uns zur Verfügung stellen, indem wir ihnen unseren Körper als Lebensraum zur Verfügung stellen.

Dadurch addieren wir zu unserer DNA ein Volumen von rund 900 %. Sprich, würde man alle Zellen unseres Körpers untersuchen, wären nur ein Bruchteil davon Menschenzellen. Der Rest stammt von Mikroorganismen, die uns neue Gene – und damit neue Möglichkeiten – zur Verfügung stellen.

Fermentation ist die Kultivierung von Probiotika

Man kann sich das so vorstellen: Überall, im Boden, auf Blättern und Gras, in der Luft und auch in und auf unserem Körper sind „Start-Sets“ von einer riesigen Menge verschiedener Mikroorganismen vorhanden.

Diese warten darauf, dass Umstände auftreten, die Ihnen die Reproduktion und Vermehrung ermöglicht.

Je nach Umweltbedingung vermehren sich nur bestimmte Kulturen: Die, die am besten mit der aktuellen Bedingung zurecht kommen. Diese Bedingung wird z.B. durch Temperatur, Salzgehalt, Nährstoffverfügbarkeit oder Sauerstoffgehalt definiert.

Es ist warm, wenig Salz, viel Glucose (Zucker), wenig Ballaststoffe und viel Sauerstoff? Der Hefepilz wächst. Es ist warm, viel Salz, aber wenig Glucose, dafür viel Ballaststoffe? Die Milchsäurebakterien vermehren sich.

Wir bezeichnen Keime, die uns nutzen als Probiotika. Probiotika können wir sowohl essen, an unsere Haut lassen oder auch auf und in uns beherbergen. Sie geben uns ein Set an Genen, die wir vorher nicht hatten.

Wir kommen dann mit der Umwelt, in der sowohl wir selbst als auch diese Keime leben, besser zurecht. Das ist Symbiose.

In unserer Umwelt kommt z.B. Lactose (Milch) vor. Und bestimmte Probiotika haben Lactase-Gene, weshalb sie – im Gegensatz zu vielen erwachsenen Menschen – das Enzym Lactase in großen Mengen produzieren können: Sie können den Milchzucker Lactose (in Galactose und Glucose) spalten.

Wir Menschen haben einen Vorteil davon, diese Keime in unserem Dünndarm siedeln zu lassen. Sie spalten für uns Lactose aus der Milch. Milchsäurebakterien sind Pro-Biotika für uns: Sie helfen uns, mit den Gegebenheiten der Umwelt (es gibt Milch), besser zurechtzukommen.

Die Präzision der Fermentation: Genau passende Probiotika herstellen

Bestimmte Gene geben nur in einer bestimmten Umwelt Sinn. Wenn eine Umwelt kalt ist, helfen uns Gene, die die Produktion von Schilddrüsen-Hormone ankurbeln. Denn diese Schilddrüsen-Hormone steigern die körpereigene Wärmeproduktion, was uns hilft, in der kalten Umgebung zu überleben (und heute, mehr Fett zu verbrennen etc.).

Wenn wir regional und saisonal Gemüse fermentieren, dann kultivieren wir exakt die Probiotika, die in unserer Umwelt nützlich sind. Denn die Keime, die vorhanden sind, haben die notwendigen Gene für diese Umwelt – sonst hätten sie hier nicht überlebt. Diese Keime sperren wir aktuell durch Hygiene, Kaiserschnitt und Antibiotika oft aus.

Es geht dabei um weit mehr, als unsere Nahrung besser zu verdauen.

Vielleicht helfen uns diese Probiotika auch, besser mit den lokalen Temperaturen umzugehen (mental und körperlich)? Besser mit weniger Zucker auszukommen (mental und körperlich)? Oder besser lokale Krankheitserreger – Viren und andere Bakterien – abzuwehren?

Dass Probiotika uns auch mit solchen genetischen Anlagen versorgen, klingt erst einmal weit hergeholt.

Doch anders lassen sich die vielfältigen positiven Effekte für unsere Gesundheit, die man durch die Zufuhr von Probiotika erhält, kaum erklären.

Was ist also konkret der Vorteil davon, Probiotika durch die Fermentation von Gemüse selber herzustellen (anstatt Probiotika als Pulver zu kaufen)?

Diese Probiotika sind viel genauer auf unsere jeweilige Umweltsituation zugeschnitten. Sie helfen uns besser, mit unserer Umgebung, unserer aktuellen „Situation“ zurechtzukommen. Die Gene, die in unserer Umwelt nützlich sind, haben sie hervorselektiert.

Es kann also durchaus sinnvoll sein, gelegentlich selbst-fermentiertes Gemüse zu essen. Dabei ist es jedoch auch wichtig, es nicht zu übertreiben, um die vorhandene Darmflora nicht durcheinanderzubringen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, soweit zu lesen. Wenn du Fragen oder Anmerkungen hast, bitte lasse einen Kommentar hier. Einerseits freue ich mich darüber, andererseits hilft mir dein Kommentar, in Zukunft meine Inhalte genauer auf dich abzustimmen.

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About the Author

Mein Name ist Erik Pfeiffer und ich bin der Autor der meisten der Beiträge hier auf EHSL.de. Mein Ziel ist es, dich mit einfach umsetzbaren Informationen zu versorgen, wie du in einem modernen Lebens-Umfeld deine Gesundheit verbesserst.